FRANK ZAPPA: WE'RE ONLY IN IT FOR THE MONEY - VINYL-Rarität in Bestzustand
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Jun 17, 2012 Sold Date
Jun 7, 2012 Start Date
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Description

VERVE SELECT 2317034 Zustand der Platte: Near Mint: Nahe neuwertig, keine Kratzer, Cover fast neuwertig

We're only in it for the money: Seltsamerweise existieren drei offizielle Versionen von diesem Zappa-Meisterwerk: das Original, 1968 veröffentlicht, dann die von Zappa überarbeitete Remaster-Ausgabe von 1984 (mit neuen Bass- und Schlagzeugparts) und schließlich die hoffentlich endgültige, 1993 um einige 1967 (Aufnahmejahr) weggelassene Fragmente erweiterte Fassung des Albums (wieder mit originellem 67er Rhythmusteam), die erst 1995 auf CD rauskam.

Als Zappa nach jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen mit "zwei Plattenfirmen, einem ex-Manager und seinem Bruder, einem Rechtsanwalt" (Originalzitat Ende) endlich die Rechte an seinen Aufnahmen wiedererlangte, hieß es Anfang der 80er, die längst vergriffenen Zappa-Platten neu zu remastern und zuerst einmal bei Zappas eigenem Plattenlabel Barking Pumpkin im Rahmen von sogenannten "Old Master Boxes" rauszubringen. Und so beinhaltete z.B. "Old Masters Box One" die fünf ersten Zappa/Mothers-LP's und eine "Mystery Disc"-LP mit bisher unbekannten Archivaufnahmen. Sowas ausgerechnet kurz vor dem Anbruch des CD-Zeitalters. Pech für die, die sich auf die ingesamt drei "Old Masters Boxes" gestürzt haben...

Da Zappa offensichtlich mit den Originalparts von Estrada, Mundi und Black nicht zufrieden war, nutzte er die oben geschilderten Umstände um alle Schlagzeug- und Bassparts von "We're only in it..." neu aufzunehmen, so dass am Ende eine etwas glattere "We're only in it..."-80er Version rausgekommen ist, die wegen des neuen Rhythmusteams etwas mehr zeitgemäß klang.

Das ursprüngliche Konzept von "We're only in it..." wurde verworfen, nachdem Zappa beschloss, das Cover des gerade erschienenen Beatles- Meisterwerkes "Sgt. Pepper's..." zu karikieren. Neben The Mothers of Invention in Frauenkleidern (Roy Estrada sieht dabei irgendwie schwanger aus) ließ sich auch Jimmy Hendrix für das parodierte Coverbild ablichten. Mit seinem Plattentittel stellte Zappa scheinbar auch die musikalische Glaubwürdigeit der Beatles in Frage. Oder wollte er damit etwa sich und seine Bandkollegen auf die Schippe nehmen? Diesmal eher unwahrscheinlich. Diese ganze Aktion fand Paul McCartney nicht besonders lustig, was zu gewisser Verzögerung bei der Veröffentlichung des Albums führte [Hm, ich habe gelesen, ich glaube, in einem Zappa-Interview, dass die Beatles selbst das Cover genehmigt hatten, aber ihre Plattenfirma dagegen war (Udo)]. (Im Dominique Chevaliers Buch "Viva Zappa" ist nachzulesen, dass McCartney gar nicht von dem Cover begeistert gewesen sein soll, aber am Ende doch eingewilligt hatte. Die von Udo angeführte Version wird im Barry Miles' Buch "Paul McCartney-Many years from now" wiederum nur teilweise bestätigt.Darin heißt es, dass Zappas Plattenfirma bezüglich des Plattencovers kalte Füße bekam). Vielleicht deswegen war das umstrittene Photo ursprünglich nur als LP-Innencover zu sehen.

Den textlichen Leitgedanken dieses Albums, das verdächtig nach einem Konzeptalbum riecht, könnte man als Infragestellung und Lächerlichmachung der Hippiebewegung (damals hochaktuell, heute weniger) -und bei Gelegenheit natürlich auch der bekanntlich verlogenen amerikanischen Gesellschaft- bezeichnen. Die wiederkehrenden Zweifel an der menschlichen Natur dürfen auch nicht fehlen : "What's the ugliest part of your body? I think it's your mind, woo woo". Bei "Take your clothes off when you dance" bin ich mir bis heute nicht ganz sicher : wollte Zappa wieder mal die Hippie-Ideologie durch den Kakao ziehen, oder etwa für viele Menschen seit Ewigkeiten geltenden Sehnsüchte ausdrücken? Wie dem auch sei, die musikalische Umsetzung dieser Vorgaben ist hervorragend gelungen, so dass der Hörer es hier nicht nur mit ungezähmten, wilden Soundcollagen, von der Geschwindigkeit her teilweise verfremdetem, groteskem Gesang und schrägen Studioeffekten -wie Grunzen, Gelächter, oder unheimlich flüsternde Stimmen- zu tun bekommt, sondern sich auch an genial verwinkelt-abgefahrenen Melodien erfreuen darf.

Zappa verwurstet hier natürlich auch, wie immer, bekannte musikalische Stilrichtungen : "Bow tie Daddy" könnte z.B. als ein harmloses Vaudeville-Liedchen von McCartney stammen und "What's the ugliest...", bringt verstärkt Pop-Einflüsse aus den 50ern. Abwechslungreicher als auf diesem Album kann es kaum noch zugehen : mit den vielen Einfällen und Tempiwechseln könnte manch anderer Künstler eine ganze Karriere bestreiten.

Und noch etwas : auch wenn es ziemlich egal ist, ja, ein gewisser Erich Clapton, damals kurzzeitig bei Cream, soll für Zwecke dieses Album einige Worte ins Mikro gehaucht haben.

Schlußendlich kommt man zu "The Chrome Plated Megaphone of Destiny", einem atonalen, teilweise fast orchestralen Avantgardestück, mit über sechs Minuten Dauer bei weitem das Längste auf diesem Album. Es kommen u.a., einem freien Gedankenfluß gleich, spasmatisch quietschende oder brummende Saxophone, künstlich wirkendes Gelächter, elektronisch klingende Tonbandmanipulationen und nackte, wehrlose Pianosaiten zum Einsatz.

"Is this phase one of lumpy gravy?", fragt eine Sprechblase auf dem Cover von "We're only in it for the money". Bezogen auf "Chrome Plated Megaphone..." kann es darauf nur eine positive Antwort geben.

Fazit : Es dürfte nach diesem furiosen Paradebeispiel der unbändigen Kreativität den meisten schwer fallen, an Zappas Genie zu zweifeln.

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